Bodensee – Königsee 2012

Effektiv ging die Radtour von Lindau nach Salzburg, für welche wir uns zu fünft am 1. August in Zürich für die Zugfahrt nach Lindau besammeln. Neben meiner Gattin sind dies ihre Schwester mit Mann und eine Freundin. Es gibt so viele Beschreibungen zu diesem Radweg, der zu den bekanntesten in Deutschland gehört, dass ich mich kurz fasse und diese Reise vor allem mit Fotos festhalte.

Für den Reiseverlauf verweise ich auf die Webseite unseres Anbieters

Lindau 1.8.
Wir haben teilweise unsere eigenen Räder dabei, die übrigen (E-Bikes) sind vom Veranstalter in Lindau bereit gestellt, wobei eines mit ausgesprochen schwacher Leistung der Fahrerin das Leben erschwert. Der gebuchte Gepäcktransport zwischen den Unterkünften hat gut funktioniert, so dass wir unser Tagesgepäck auf ein Minimum reduzieren konnten. Die Unterkünfte waren gut bis befriedigend. Manchmal etwas gar weit vom nächsten grösseren Ort. In diesem Punkt war die Streckenbeschreibung eher ungenügend und hat uns einige Zusatzkilometer beschert.

Von Lindau Richtung Füssen 2.8 – 4.8.

Wie die Bilder zeigen, hatten wir schönstes Hochsommerwetter und es war zeitweise sehr heiss.

Weiter nach Bad Tölz 4.8/5.8.

Bad Tölz nach Königsee 7.8 – 9.8.

Abschluss in Salzburg 11.8./12.8.

Donau vom Schwarzwald – Passau 2011

Tag 1: 21.4.2011
Nach der vielseitigen Reise von Wien ans Schwarze Meer im Jahr 2005 interessierte mich der Oberlauf der Donau und bereiste diesen in der Osterwoche 2011.
Mit der Eisenbahn fuhr ich zur Schweizer Grenze bei Thayingen und musste gleich einige Höhenmetern bis zum Fluss überwinden. Schon nach wenigen Kilometern Fahrt entlang des Bächleins Donau verschwindet diese vollständig und es bleibt nur ein Bachbett voll mit Steinen. Die Donauversickerung.
Was sich hier abspielt ist ein weltweit einzigartiges Naturphänomen. Die Donau versickert im Karstgestein – im Sommer vollständig, in den Wintermonaten nur teilweise – um 183 Höhenmeter tiefer und etwa 12 km Luftlinie entfernt im Aachtopf, der größten Quelle Deutschlands, nach circa 60 Stunden wieder zum Vorschein zu kommen. Über den kleinen Fluss Aach gelangt das Wasser in den Bodensee und somit über den Rhein in die Nordsee.

Bald führt die Donau wieder Wasser und der schöne Radweg führt durch die blühende Frühlingspracht. Ich passiere das Kloster Beuron und auf umliegenden Hügeln lassen sich einzelne Burgen ausmachen. Das Wetter könnte nicht besser sein und am späten Nachmittag erreiche ich Sigmarsingen, wo die erste Übernachtung ansteht.

Tag 2: 22.4.2011
Weiter geht es tags darauf auf einer wunderbare Strecke abseits vom motorisierten Verkehr weiter bis Ulm, welches wegen seiner Karfreitagsprozession sehr viele Gläubige anzieht.

Trotz der vielen Gäste habe ich Glück und finde im Zentrum nicht weit vom Dom eine Unterkunft. So bleibt mir genügend Zeit, die Altstadt mit ihren Riegelhäusern näher zu besichtigen. Auch ein kurze Besuch im Dom darf natürlich nicht fehlen. Und bevor ich mich in mein Zimmer zurück ziehe, werde ich noch Zeuge der Prozession direkt vor dem Dom.

Tag 3: 23.4.2011
So langsam lässt sich erahnen, dass sich die Donau zu einem breiten Fluss wird. Sie wird immer breiter. Auf der anderen Uferseite sind die Kühltürme des Kernkraftwerkes Gundremmingen, welche Dampf „ablassen“.

Wieder passiere ich einige Dörfer. In Lauingen sticht der über 50 Meter hohe Schimmelturm aus dem 15. Jahrhundert hervor. Auch in Donauwörth, das ich am Nachmittag Donauwörth, finde ich trotz Ostern problemlos eine Unterkunft. Die Altstadt ist sehr beeindruckend und Donauwörth kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Schon vor über 1000 Jahren wurde hier die eine Brücke über die Donau gebaut. Als bedeutender Verkehrsknotenpunkt kreuzen sich hier Rad- und Wanderwege.

Tag 4: 24.4.2011
Bei weiterhin prachtvollem Wetter geht es weiter. Die Donau wird immer breiter. Nach gut 2 Stunden sticht mir bei Neuburg an der Donau das riesige Schloss in die Augen. Es wurde vor 500 Jahren anstelle einer mittelalterlichen Burg erbaut und diente dem Pfalzgrafen als herrschaftlicher Sitz.

Ebenfalls ein Blickfang: Das Jagdschloss Grünau liegt etwa sieben Kilometer östlich von Neuburg an der Donau im größten zusammenhängenden Auwaldgebiet Mitteleuropas. DerPfalzgraf hatte es ab 1530 für seine Gemahlin errichten lassen.

Der Tag geht spektakulär weiter. Bei der Benediktinerabtei Weltenburg geht meine Reise für einige Kilometer per Schiff weiter. Der Donaudurchbruch bei Weltenburg bildet ein weiteres Naturereignis auf meiner Tour. Bis 80 Meter hoch türmen sich die Felswände im schmalen Tal. Vor Kelheim öffnet sich die Landschaft und die Donau kann ungestört weiter fliessen.

Ich steige im weissen Lamm in Kelheim ab und geniesse den lauen Abend.

Tag 5: 25.4.2011
Auf dem Donauradweg herrscht nun mehr Betrieb, erreiche ich nun mit Regensburg eine der grösseren Städte meiner Reise. Mit dem Baubeginn 1135 gilt die Steinerne Brücke als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und als die älteste erhaltene Brücke Deutschlands.
Eine halbe Stunde nach Regensburg ein weiterer Blickfang in der Landschaft. Hoch über der Donau hat König Ludwig I. 1842 die Gedenkstätte Walhalla errichten lassen.

Ein Schäfer lässt seine riesige Herde am Donauufer entlang ziehen. Neben der Landwirtschaft sind auch immer wieder Naturschutzgebiete mit Auen zu sehen.

Tag 6: 26.4.2011
Heute ist der letzte Tag meiner Tour. Wieder sind die Ufergebiete vielfach noch wild und der Natur überlassen. Erstmals ziehen Wolken auf und kurz vor Passau drohen Gewitter.
Im Bahnhof erkundige ich mich nach den Zugsverbindung, während draussen ein heftiger Regen einsetzt. Bereits in 10 Minuten könnte ich im Zug nach München sitzen und von dort weiter in die Schweiz fahren.
Angesichts des stürmischen Wetters verschiebe ich die Besichtigung von Passau auf eine spätere Gelegenheit und mache mich direkt auf den Heimweg.

Passau – Wien

3.8. Von Passau nach Feldkirchen an der Donau (70 km)
Um 15 Uhr erreiche ich bereits mein Tagesziel, obwohl ich erst kurz vor 11Uhr gestartet bin. Es ist ein richtiger Regentag.
Biber habe unterwegs ich keine gesehen, nur die Hinweise und einen angeknabberten Baum. Dafür (Wild?)gänse und Frachtschiffe, die mit einer Länge von jeweils gut 100 Meter recht imposant den Flusslauf ausfüllen. Mein Hotel liegt auf der gegenüber liegenden Seite der Donau und heisst Faustschlössl. Gegessen habe ich dort im Fauststüberl . Sagenumwoben!
https://www.faustschloessl.at/de-de/geschichte-sage?page_id=2625227

4.8. Von Feldkirchen an der Donau nach Wallsee (90 km)
Heute war erneut ein Regentag mit wenigstens einigen kurzen Regenpausen. Wo die Donau nicht gestaut ist, entwickelt sie eine kräftige Strömung. Schiffe stromaufwärts müssen noch zusätzlich geschoben werden. Einige Kilometer lang scheint der Radweg noch aus der Römerzeit zu stammen. Nach etwa der vierten Regendusche finde ich in Wallsee gegenüber einem Römermuseum ein Zimmer.

5.8. Von Wallsee nach Krems  (112 km)
Auch der heutige Tag bringt keine richtige Wetter-Besserung. Zum Frühstück wird mir ein halbes Buffet an den Tisch gebracht, da momentan keine Selbstbedienung erlaubt sei. Sogar Nutella hat sich hinter der Konfitüre versteckt.
Es ist bedeckt und einige Hochwasser-Warnungen erschweren die Wegfindung und zwingen mich zu Umwegen und Irrfahrten. Die Zahl der Tages-Km wird dadurch grösser als erwartet. Die Donau ist bei solchem Wasserstand schon sehr beeindruckend. Gegen Abend kommt dann noch die Sonne.
Teilweise gibt es Hochwasser-Fahrverbote und ich bin nur für die Fotos näher heran gefahren. Die tiefste Stelle einer Strasse ist wohl etwa 1/2 Meter unter Wasser. Die Radwege neben der Donau werden bei sinkendem Pegel laufend gereinigt. So kann ich durchfahren, auch wenn die Verbotsschilder noch nicht entfernt worden waren. Spezialmaschinen bürsten und reinigen den Belag, solange er noch feucht ist.

6.8. Von Krems nach Wien  (112 km)
So, jetzt habe ich es also geschafft, in Wien einzufahren. Es war ein trockener Tag und am Nachmittag ist es sogar warm. Heute überquere ich die Donau auf einem Radweg unter der Autobahn. Die Gegend wird immer flacher und es gelingt mir noch ein Bild eines Flussungeheuers. 840 km in 8 Radtagen reicht mir für den Moment. Bin in einem schönen, neuen Hotel beim Hauptbahnhof abgestiegen. Mit den Veloplätzen im Zug ist es etwas schwierig. Ich komme jetzt am Sonntag zurück, muss aber in Innsbruck umsteigen. Das wärs für den Moment.

Weiter zu den Ansichten von Wien

Scuol – Passau

29.7. Von Scuol nach ‚Oetztal-Bahnhof‘ (100 km)
Mit dem Zug zuerst von Küsnacht nach Scuol starte ich bei bestem Wetter und mache um die Mittagszeit mein E-Bike fahrbereit. Erstes Ziel ist Passau, alles dem Inn entlang. Danach weiter nach Wien, um das letzte Stück der Donau noch zu befahren, welches neu für mich ist. Der Inn-Radweg ist in der Schweiz gut signalisiert, so dass er abseits der Strasse häufig durch schattige Wälder talabwärts führt. Bei jeder Überquerung des Flusses ist dieser etwas breiter. Der Radweg ist manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, dafür entschädigt die wunderbare Landschaft.
Ab Landeck wird das Inntal breiter und der Radweg führt mehrheitlich über kleine Landwirtschafts-Strässchen oder direkt dem Inn entlang.
Ich habe bei meinem Stopp in Landeck ein Zimmer in ‚Oetztal-Bahnhof‘ reserviert, welches ich nun ansteuere. Wegen unklarer Signalisation verpasse ich bei einer Talverengung den richtigen Weg und hatte plötzlich Steigungen von 17% zu bewältigen. Dies geht auch bei einem E-Bike in die Beine. Eine halbe Stunde später als geplant, erreiche ich hungrig meine Unterkunft.

30.7. ‚Oetztal Bahnhof‘ nach Wörgl (118 km)
Heute bin ich durch das Inntal im Tirol gefahren. Auch ohne ausführliche Besichtigungen der vielen Sehenswürdigkeiten gibt es viel zu sehen. Stams, das ‚Magglingen‘ des österreichischen Skinachwuchses. Die Bergisel-Schanze in Innsbruck und zahlreiche Klöster und prunkvolle Kirchenbauten. Die vielen Überquerungen des Inn habe ich nicht gezählt. Der verkehrsfreie Radweg ist natürlich nicht die kürzeste Variante, aber die angenehmste!

31.7. Wörgl nach Mühldorf am Inn (127 km)
Heute bin ich sechs Stunden am Velofahren und am Abend etwas geschafft. Kurz nach Kufstein entscheide ich mich, noch etwas auf der österreichischen Seite des Inns zu bleiben, bevor ich nach 20 km die Grenze nach Deutschland überschreite. In einem grossen Stadtpark mache ich in Rosenheim Mittagspause. Den nächsten grösseren Halt gibt es in Wasserburg, einem schönen Ort, der schon in Schriften vom 11. Jahrhundert erwähnt wird. Er liegt in einer Schleife des Inns, der ihn fast vollständig umschliesst. Ab hier macht der Inn viele Schleifen und ich fahre etwas abseits durch die wunderbare Gegend weiter bis Mühldorf am Inn. Mein Hotel ist teilweise im alten Stadttor untergebracht und im Zentrum kann ich angenehm ein Lokal für mein Nachtessen auswählen.

1.8. Mühldorf am Inn Passau (122 km)
Wieder ein herrlicher Sommertag, an dem ich es bis Passau schaffe. Schöne Flusslandschaften, faszinierende Auen vor allem im Mündungsgebiet der Salzach, ein zufälliger Besuch in Marktl im Geburtsort von Papst Benedikt. Eine neue Fischtreppe neben einem Staudamm und zum Schluss ein kühles Bier am Innufer in Passau.

Weiter mit Passau

Engadin – Wien 2020

Schon länger hatte ich mich vorgenommen, das letzte Stück der Donau, welches ich noch nicht kannte, ebenfalls mit dem Rad zu bereisen. Das E-Bike reduzierte die täglichen Fahrzeiten und erlaubte mir dennoch gute Etappenlängen. Die geplanten 8 Reise-Tage liessen sich so gut umsetzen. Allerdings waren die 4 Etappen vom Engadin nach Passau eher zu lang. Ich musste feststellen, dass täglich 5 bis 6 Stunden radeln recht anstrengend ist (ja, auch mit dem E-Bike!) und ich war froh, in Passau einen Ruhetag einzulegen. Die darauffolgenden 4 Etappen waren kürzer und zeigten mir auf, was noch gut machbar ist.

Mit dem Zug zuerst von Zürich nach Scuol starte ich bei bestem Wetter und mache um die Mittagszeit mein E-Bike fahrbereit. Erstes Ziel ist Passau, alles dem Inn entlang. Danach weiter nach Wien, um das letzte Stück der Donau noch zu befahren, welches neu für mich ist. 

Weiter mit Scuol – Passau

Camargue 2020

Eine kurze Tour vom Rhonetal durch die Camargue nach Béziers. 

Tag 1: Von Orange nach Arles
Kurz nach Orange lasse ich mich nachmittags um 16 Uhr an einer Autobahnausfahrt absetzen, um noch etwa 50 km bis Arles mit dem Velo zurück zu legen.

Durch hügeliges Gelände erreiche ich schliesslich die Rhone, welche hier schon fast zu einem Strom angewachsen ist.

Ab jetzt ist es topfeben und die Strecke nach Arles ist bis zum Stadtrand verkehrsarm. Ich habe mir im Zentrum ein Zimmer reserviert und mache nach dem Essen noch einen kleinen Stadtbummel.

Eindrücklich die alten Gassen und die beleuchtete Arena von Arles.

Tag 2: von Arles nach Les-Saintes-Maries-de-la-Mer
Bei leichter Bewölkung und praktisch verkehrsfrei finde ich am nächsten Morgen fast ideale Bedingungen für meine erste Velotour seit über einem Jahr.  Ein Teil der Camargue wird noch bewirtschaftet.  Doch bald über nimmt die wilde Landschaft das Zepter.

Der leichte Wind sorgt für etwas Erfrischung. Mit dem Erreichen des Küstenstreifens ändert meine Fahrtrichtung von Süd auf West. Der Weg ist jetzt völlig autofrei und wird zwischen Wanderern und Velofahrern geteilt. Der Leuchtturm ‚Phare de la Gacholle‘ ist der Fixpunkt in der Landschaft. Die Sonne brennt nun kräftig und ich bin froh, am frühen Nachmittag mein Hotel zu erreichen. Es hat schon recht viele Touristen, aber die vielen Restaurants sind höchstens zur Hälfte ausgelastet.

Tag 3: Besuch im ‚Parc Ornithologique de Pont de Gau
In nur 5 km Entfernung von ‚Les-Saintes-Maries-de-la Mer‘ liegt der Vogelpark Pont de Gau‘, den ich unbedingt besuchen wollte. Es wimmelt von Flamingos und verschiedenen anderen Wasservögel, die sich völig frei bewegen können. Ich wählte die grosse Rundstrecke und war zu Fuss gut 3 Stunden unterwegs. Dies natürliche auch wegen der häufigen Fotostopps.

Tag 4/5: von Les Saints-Maries-de-la-Mer nach Sète und Béziers
Bei angenehmer Temperatur mache ich mich auf den Weg zur längsten Etappe (83 km) nach Sète. Nach einigen Kilometern wechsle ich auf die andere Seite der ‚kleinen Rhone‘ und geniesse weiterhin die Natur. Eine halbe Stunde muss ich auf einer Hauptstrasse nach Aigues-Mortes ausharren, bis es wieder ruhiger weiter geht. Meist auf Radwegen zwischen Meer und einem Etang geht es weiter bis Carnon und Maguelone. Von dort führt die Strecke abenteuerlich weiter auf einem Damm des Rhone-Kanals, der mitten durch einen grossen Etang gelegt wurde. Es war schon wieder recht heiss, als ich mein Hotel in Sète am Nachmittag erreiche.

Am nächsten Morgen fahre ich auf einem schönen Radweg zwischen Meer und Etang weiter nach Agde, von wo ich dem ‚Canal du Midi‘ bis nach Béziers folge. Es war eine schöne kleine Tour. Wegen der Corona-bedingten Einschränkungen war der Touristenstrom noch nicht auf die übliche Grösse angewachsen, was den Aufenthalt in den Ortschaften angenehm gestaltete.

Rund um die Ostsee 2016

Eine Art «Reisetagebuch»:
Nach einigen Gruppen-Touren habe ich mich selber wieder einmal für einer längeren Velotour aufgemacht und umrunde die Ostsee bzw. das baltische Meer. Mit dem Zug nach Kiel, dann mit einer Fähre nach Kleipeda (Litauen). Von dort dann per Velo nach Riga (Lettland) und weiter nach Tallin (Estland). Dann abwechselnd mit Fähren und Velo über Helsinki, Turku, Stockholm nach Südschweden und nach Danzig in Polen. Zum Schluss ein Abstecher nach Dresden und dann weiter bis Fulda.
Ich mache diese Tour mit einem E-Bike, was mich (altersgerecht) etwas schont und mir erlaubt, trotzdem 4-6 Stunden im Tag zu radeln.

Die Links zur Bildersammlung finden sich am Schluss des Beitrags!

22.6. Der Start
Mit der Anreise hat alles bestens geklappt.
Der EC Zürich – Hamburg ist auf die Minute genau angekommen und das Umsteigen an der Station Dammtor war ausgesprochen angenehm. Auf dem gleichen Perron fuhr nach kurzem Warten mein Zug nach Kiel ein. Weiter geht es morgen Abend mit der Fähre nach Klaipeda und dann beginnt endlich die Radtour um die Ostsee.

Ich bin gut in meiner ersten Unterkunft in Bordesholm angekommen. Wegen der Kieler Woche war keine zahlbare Unterkunft in Kiel zu finden. Morgen fahre ich die 25 km nach Kiel zur Fähre mit dem Velo.

23.6. Kiel
Bald hat die Warterei ein Ende. In einer halben Stunde darf ich hinter einem Shuttle  🚌 zur Fähre fahren. An der Küste in Kiel ist ein grosser Rummel. Kilometerlange Stände, wie auf einem Markt. Dazwischen Bahnen und Karussells. Das ist also die Kieler Woche. Von den Segelregatten habe ich nichts gesehen. Heute war es um die 30 Grad. Gut, dass ich nur 35 km gefahren bin.
Die Fahrt mit der Fähre dauert etwa 20 Stunden. Ein paar andere Velofahrer sind auch noch auf der Fähre.

24.6. Klaipeda
Ich bin gut in Litauen angekommen. Das Hotel ist angenehm, zu Fuss 15 Minuten vom Zentrum. Es ist immer noch sehr heiss und ich sitze in einer Gartenwirtschaft zum Z’nacht. Auch hier ist Volksfest zur Sonnenwende im Gang. Zum Glück nicht so riesig wie in Kiel.
Morgen mache ich einen Veloausflug auf die Kurische Nehrung (ohne Gepäck).

25.6. Kurische Nehrung
Ich bin also den litauischen Teil der Nehrung abgefahren. 108 km mit einem Akku, alles im sparsamen Eco-Modus (1 von 4). Die Strecke war nicht besonders spannend. Meistens im Wald und auf der Rückseite der Dünen. Am Morgen war die Strecke im Schatten, aber auf dem Rückweg habe ich etwas viel Sonne gehabt. Ich hätte nach der Hälfte umkehren sollen. Wenigstens scheinen die Akkus ausdauernd.
Morgen geht es schon nach Lettland. Alles der Küste entlang nach Liepäje.

26.6. Liepäje
Heute war es nicht mehr ganz so heiss und am Nachmittag hat es etwas abgekühlt.
Die 96 km bin ich fast ‚geflogen’und, war in etwa 4 Stunden am Ziel. Der Riesenunterschied zum normalen Tourenvelo ist einerseits das regelmässige Tempo und dass es weniger anstrengend ist. Im Tour-Modus (2 von 4) habe ich 1,2 Akkufüllung gebraucht, was mit dem ganzen Gepäck am Velo recht wenig ist. Liepäje ist eine Mischung zwischen alt und neu. Faszinierend sind Holzbauten, die wohl aus dem 19. Jh. stammen.
Faszinierend sind Holzbauten, die wohl aus dem 19. Jh. stammen.  Im Zentrum sieht es sowjetisch aus und einige alten Kirchen sind stehen geblieben.
Ausser der Sonnencreme ist hier alles recht billig. Morgen geht es nach Ventspils (Windau).

27.6. Ventspils
Am Vormittag hatte es etwas geregnet und es war recht kühl. Bis ich losfuhr unterhielt ich mich mit einem deutschen Ehepaar, welche ebenfalls reiseradelt. Ich kannte sie schon von der Fähre. Beim Start hatte der Regen aufgehört und am Mittag schien wieder die Sonne. Unterwegs habe ich viele Störche gesehen. Einmal hat ein Viech ca. 100 m vor mir die Strasse überquert. Es könnte ein Bieber gewesen sein. Da meine Unterkunft fast am Stadtrand liegt, habe ich Besichtigung von Ventspils per Velo gemacht. Montags hat vieles geschlossen, so auch die Burg. Der Ort ist ziemlich verschlafen, aber wenigstens hat die Gaststätte geöffnet, die mir mein Gastgeber empfohlen hat.

28.6. Kolka
Heute geht es nach Kolka, an der Spitze der Halbinsel. Es war ein schöner aber nicht heisser Tag. Ich bin entlang der Küste gefahren, allerdings immer 2 – 3 km im Landesinneren. Es war waldig, wie in Schweden. Zum Meer bin ich dann halt zweimal abgebogen. Spannend war ein riesiges Teleskop mit 32 m Durchmesser mitten im Wald nicht weit von der Strasse. Hier hatten einst die Russen den Westen ausgeforscht. In der Nähe sind einige grosse Wohnblocks mit mehreren hundert Wohnungen dem Zerfall preisgegeben. Es sieht gespenstisch aus, ähnlich wie in Tschernobyl. Das Teleskop wird heute von einer Universität weiter betrieben.

Das Kap Kolka, wo ich übernachte, liegt in einem Nationalpark und ist für seinen wilden Wellengang bekannt, wenn es kräftig windet. Heute war das Meer ruhig wie ein Ententeich.

30.6. Riga
Jetzt bin ich also Riga eingetroffen. Die Stadt gefällt mir auf den ersten Blick. Recht lebhaft und eine Mischung zwischen alt und neu. Ein grosser Teil der heutigen Strecke war auf Velowegen, manchmal etwas holprig, dafür ohne Verkehr.
Durch die Innenstadt zieht sich ein langer Park, der als gute Orientierungshilfe dient. Die Pizza heute war kein Hit, dafür hatte ich LIVE-Rockmusik und konnte am Abend noch draussen sitzen.

1.7.
Vorhin gab es ein kurzes kräftiges Gewitter, aber ich war dann gerade in meinem Zimmer und habe meine Weiterreise organisiert. Mangels Unterkünften in den Schären, fahre ich mit dem Schiff von Turku nach Stockholm und bin nur zwei Tage in Finnland. Eine Übernachtung auf Gotland habe ich auch schon gebucht. So ohne Zelt muss alles etwas besser organisiert sein, umso mehr als auch die Akkus aufgeladen sein wollen.

3.7. Ainazi
Um 8 Uhr habe ich gefrühstückt und draussen regnete es. Kurz vor neun hatte es aufgehört und ich startete die Etappe. Schon nach 30 Minuten begann es wieder richtig zu schütten. So habe ich dann meine Regensachen montiert und bin weitergefahren. Nach zweieinhalb Stunden war ich trotzdem ziemlich durchnässt. Einfach eine Spur weniger als ohne Regenkleider. Dafür hörte es auf zu regnen, aber es blieb bewölkt. Die 120 km habe ich in 5 Std. Fahrzeit geschafft und war am Ziel schon fast wieder trocken.
Das Dorf Ainazi liegt zwischen Hauptstrasse und Meer direkt vor der Grenze nach Estland, wo ich morgen weiterfahre.

4.7. Pärnu
Heute hatte ich nur 70 km geplant und so stand ich um 13 Uhr schon im nächsten Hotel.
Ein Bau, etwa 80 Jahre alt und vielleicht ein ehemaliges Sanatorium oder ähnlich. Das Zimmer ist relativ neu, aber sonst ist alles ziemlich alt. Nicht einmal einen gedeckten Platz für mein Velo haben sie hier.
Das Wetter ist wieder besser.

Störche habe ich bisher täglich gesehen. In Pärnu wimmelt es von Restaurants, aber sonst merkt man nicht, im bedeutendsten Badeort von Estland zu sein. Am kommenden Wochenende ist hier ein Musikfestival, dann ist vielleicht etwas mehr los.
Die Daten vom Strand: Wasser 18 und Luft 20 Grad, dazu ein kräftiger Wind vom Meer her. Alles andere als gemütlich 😁
Es gibt natürlich immer einige, die trotzdem ins Wasser gehen. Der Strand ist schön breit. Hier machen viele Finnländer ihre Ferien im Süden! Es ist für sie gut erreichbar und viel günstiger als in Finnland.

5.7. Haapsalu
Heute bin ich früh aufgestanden und bei wolkenlosem Himmel um 8 Uhr losgefahren. Es war noch recht kühl und mehrheitlich musste ‚ich‘ mich, mit Gegenwind aus einander setzen. Die Landschaft ist abwechslungsreich. Nur noch wenig Wald, dafür Weiden mit Kühen und viel Landwirtschaft. Wenn ein Bauer gemäht oder das Gras eingeholt hat, sind ihm jeweils Störche gefolgt und haben sich einige Happen gesichert.
Da niemand in meiner Herberge war, habe ich noch eine Runde (mit Bier) gedreht. Die Dorfstrasse umrundet eine alte Festung mit Turm. Einige Touristen spazieren noch herum.

6.7. Tallin
Ich bin nun schon über 1000 km geradelt und langweilig ist es mir bis jetzt noch nicht geworden. Auch heute ist wieder schönes Wetter und der Wind blies kräftig von hinten. Die Landschaft war abwechslungsreich und auch die Störche sind immer noch da.
Tallinn ist eine moderne Stadt geworden. Viele Neubauten stehen in den Aussenquartieren und in der Altstadt sind die meisten Gebäude renoviert zum Teil elegant mit alten Mauern verbunden. Vieles von meinem letzten Aufenthalt vor etwa 20 Jahren erkenne ich nicht mehr. In der Nähe meines Hotels liegt die Strasse mit dem «Schachhaus», welches von der Stadt zur Verfügung gestellt wird. Dieses kam mir noch bekannt vor. In einem Raum hat es ein Mini-Museum zu Ehren von Ex-Weltmeister Paul Keres, dessen 100. Geburtstag gerade gefeiert wird. Es gibt eine 2-Euro Münze mit seinem Konterfei! Keres wurde sogar zum estnischen Sportler des 20. Jahrhundert gewählt.
Am Abend sitze ich hier in der Nähe des Hauptplatzes immer noch draussen bei einem Bier. Der Touristenschwarm, der täglich von Kreuzfahrtschiffen ausgespuckt wird, hat sich wieder zurückgezogen.
Morgen werde ich wieder einmal ausschlafen 😊

8.7.
Heute war ich noch in einem ehemaligen Kloster. Gegründet von Dominikanern um 1246, die dann etwa 400 Jahre später von Lutheranern verjagt wurden.

Die dazugehörige Kirche ist immer noch in Betrieb. Die lebten damals recht einfach, nur der Prior hatte einen eigenen Raum.

9.7. Finnland bis Lohja
Tallinn liegt nun schon fast hinter mir. Ich bin am Hafen und warte auf die Fähre. Momentan liegt hier eine Nebelbank und das Schiff taucht wie aus dem Nichts auf.
Gestern war schönes Wetter und ich habe eine kleine Wanderung in der Stadt gemacht. Gestern ist auch noch der Deutsche Radler in Tallinn eingetroffen, mit dem ich in Lettland drei Tage unterwegs gewesen bin.
Helsinki habe ich rechts liegen gelassen und bin vom Hafen aus Richtung Turku losgefahren. Es dauerte allerdings, bis ich alle Vororte durchquert hatte. Überall Velowege und alles angeschrieben, aber jeweils nur mit den umliegenden Ortsteilen und nicht die Hauptrichtung. Mit GPS und Handy habe ich den Weg dann gefunden. Die Natur gefällt mir besser, als im Baltikum. Die Birkenwälder sind heller und dazwischen immer wieder Seen.

Ich bin hier in dem Teil von Finnland, wo noch eine schwedische Sprachminderheit lebt. Die Ortsschilder und Strassen-bezeichnungen sind häufig zweisprachig angeschrieben. Für morgen habe ich mir schon einmal die Ortschaften bis Turku herausgesucht, damit ich den Weg leichter finde.

10.7. Turku
Heute habe ich mein Tagesziel etwas zügiger angefahren als sonst. Ich habe den Regenwolken ein Schnippchen geschlagen und sitze am Nachmittag im Hafen von Turku bei meinem täglichen Bier. Die Sonne scheint und natürlich bin ich viel zu früh für die Fähre. Am Vormittag bin ich meistens auf der niedrigsten Stufe gefahren, nur bei den Steigungen eins höher. Bei einer „Abkürzung“ wurde es zweimal so steil, dass ich abstieg und die Schiebehilfe testete. Der 1. Akku hielt 75 km, so dass ich danach trotz Gegenwind und hügeliger Landschaft, die 120 km nach Turku locker schaffte.
Im Gasthaus, wo ich übernachtete, war gestern Abend eine Hochzeit im Gang. Die Musik war nicht so laut, so dass ich trotzdem schlafen konnte.
Morgen bin ich also schon in Schweden und am Abend auf der Insel Gotland, wenn alles klappt.

11.7. Stockholm – Nynashamn – Visby
Die kleine Kabine auf der Fähre von Turku nach Stockholm war eigentlich gut, geschlafen habe ich aber nicht viel, bzw. ich bin immer wieder erwacht.
Von Stockholm habe ich dieses Mal nicht viel gesehen. Ich finde die Strasse nach Nynashamn in der Nähe des Hafens schnell und bin um 07:00 Uhr schon unterwegs.
Eine Vielzahl von Velofahrern kommt mir in den Vororten von Stockholm entgegen. Die meisten wohl auf dem Weg zu ihrer täglichen Beschäftigung. Heute nehme ich es sehr gemütlich. Für die 68 km und 500 hm benötige ich genau 4 Stunden Fahrzeit.
Jetzt bin ich auf der Fähre nach Gotland, eine richtige Familienfähre. Morgen schaue ich mir etwas Gotland an und gegen Abend fahre ich wieder zurück aufs Festland.

12.7. Visby – Oskarshamn
Habe heute noch eine kleine Besichtigungstour auf der Insel gemacht. (65 km) Zuerst gegen den kräftigen Wind, aber bei schönem Wetter. Von Visby zu einer Klosterruine (12 Jh.) dann an die Küste zu einem alten Fischerdorf und mit Rückenwind zurück nach Visby, welches die vollständigste Stadtmauer in Europa haben soll.

Dort habe ich noch zwei Ruinen von Kirchen angeschaut, die zur Zeit der Reformation aufgegeben wurden. Alles ist recht herausgeputzt. In Visby waren recht viele Touristen unterwegs. Nach diesem Kurztrip nach Gotland geht es per Fähre nach Oskarshamn, wo ich übernachte.

13.7. Smaland
Heute habe ich eine lange Etappe gehabt (130 km). Ich bin auf den markierten Radwegen zickzack der Küste entlang Richtung Süden gefahren. Eine wunderschöne Gegend. Dafür bin ich jetzt im bisher teuersten Hotel meiner Reise. Ich sitze noch bei einem Bier und die Schwalben fliegen wie wild ums Haus. Die Jungen werden immer noch gefüttert und machen einen rechten Lärm. Unterwegs konnte ich an der Küste eine grosse Kolonie von Wildgänsen beobachten. Heute war ich seit langem wieder einmal kurzärmlig unterwegs. Der Wind war eher noch kühl, aber die Sonne schien den ganzen Tag.
In Kalmar habe ich mich kurz im Zentrum umgesehen. Ein riesiges Schloss am Meer, welches man wohl kennen sollte.

14.7. Karlskrona
Heute gibts nicht so viel zu berichten. Die letzte Etappe in Schweden war kurz (67 km). Ich habe noch etwas von Karlskrona angeschaut. Es ist eher kühl aber wenigstens trocken. Gegen Abend folgt die letzte Fährenfahrt (nach Polen) auf dieser Reise.
Das Warten auf die Fähren ist insofern mühsam, als dass ich immer zu früh am Hafen bin.

15.7. Danzig
Heute Morgen musste ich noch 30 km von der Fähre bis in die Innenstadt radeln, wo ich zwei Nächte bleibe. Letzte Nacht muss es in Danzig gewaltig gestürmt und geregnet haben. Überall herunter geschlagene Äste und Blätter und riesige Wasserlachen. Ganz schlimm war es bei einem Verkehrsknotenpunkt, der in einer leichten Mulde liegt. Die Ladenlokale waren überflutet worden, trotz 3 Stufen beim Eingang. Dutzende von Strassenbahnen standen herum, weil die Gleise unterspült waren und ein Tram ‚eingesackt‘ ist. Die 6-spurige Strasse war für Autos gesperrt und Reinigungsequipen versuchten dem Schlamm Herr zu werden. Ab Mittag schien wieder die Sonne.
Danzig ist sehr touristisch und hat eine schöne Innenstadt, welche beim Wiederaufbau nachdem 2. Weltkrieg nach alten Plänen gebaut wurde. Es war ja vollständig zerstört. Mein Hotel liegt mitten im Zentrum bei einem der Stadttore.

16.7.
Heute habe ich wieder einmal ausgeschlafen, spät gefrühstückt und dafür das Mittagessen ausgelassen.
Bei einem Bootsausflug zur Westerplatte, das ist dort, wo die Weichsel ins Meer fliesst, habe ich etwas für mein Geschichtswissen gemacht. Genau dort haben nämlich die Deutschen den 2. Weltkrieg begonnen. Am 1.9.1939 haben sie die Westerplatte von einem Schiff aus unter Beschuss genommen, weil dort die Polen ein grosses Munitionslager hatten. Heute erinnert ein riesiges Denkmal daran und zieht viele Besucher an.
Auf dem Rückweg habe ich unter meiner Uhr noch eine Zecke entdeckt, die sich in mein Handgelenk verbissen hat. Da hat sich meine Velotour – Pinzette wieder einmal bewährt. Das Viech habe ich sorgsam verpackt, wie es die Zecken-Webseite empfiehlt.
Morgen fahre ich weiter bis Slupsk, von dem ich noch nie etwas gehört habe.

17.7. Slupsk
Heute ging es 125 km über Land, was nicht besonders spektakulär war. Felder, Wälder, Dörfer und einige kleine Seen. Die Strassen sind die bisher schlechtesten, seit ich unterwegs bin. Besonders die Nebenstrassen bestehen teilweise nur noch aus Löchern. Slupsk schaue ich mir nach dem Essen an, zuerst habe ich Hunger.
Im Gegensatz zu Schweden hat es jetzt wieder Störche. Die Jungen sitzen noch in den Nestern,lassen sich füttern und schauen herum.

18.7. Mielno
Heute fahre ich zum Meer und dann der Küste entlang nach Mielno, wo ich an einem „lustigen“ Ort lande. Mielno ist einer der vielen Ostsee-Badeorte, wo sich die Leute bei diesen eher kühlen Temperaturen anders unterhalten müssen. Darum hat es hier wohl den ganzen Sommer Volksfeststimmung, Stände und sogar einen Zirkus. Alles ist sehr günstig zu haben. Für 8 Franken habe ich einen gemischten Salat, eine Pizza und ein grosses Bier erhalten. Meine Pension liegt am einzigen Kreisel des Ortes. Tagsüber Staus in alle Richtungen, am Abend aber schon ziemlich ruhig.

Seit ich in Polen bin, habe ich ständigen Gegenwind, was durch das E-Bike entscheidend gemildert wird.

19.7. Gryfice
Heute war ein ruhiger und etwas wärmerer Tag. Ich bin am Vormittag noch etwa 40 km entlang der Küste gefahren, das Meer habe ich aber fast nie gesehen. Dafür weitere Vergnügungspark-Dörfer, die hier für die Touristen bereit sind. Die Bahnen sind alle antiquarisch und viele von ihnen erinnern mich an meine Jugend. Es hat viele neue Radwege.
Gryfice heisst der Ort, wo ich übernachte. Die polnischen Dörfer haben alle so unaussprechliche Namen, die man sich fast nicht merken kann.

20.7. Stettin
Heute komme ich nach Stettin, das etwa gleich viele Einwohner wie Zürich hat. Es war ein idealer Velotag. Schönes Wetter und nicht zu heiss. Ich bin vor allem auf Nebenstrassen durch Pommern gefahren. Es hat unglaublich viele Dörfer. Selten liegt das nächste mehr als 4-5 km entfernt. Bei einem kleinen Umweg hat sich ein Feldhase gewundert, was ich hier mache.
Stettin ist sehr weitläufig. Von der Ortstafel waren es noch 12 km bis ins Zentrum, welches einer modernen europäischen Stadt gleicht. Es hat auch die gleichen Ladenketten, aber alles ist dem hiesigen Lohnniveau angepasst. Heute bin ich mit einem Akku 96 km gefahren!

21.7. Bad Freienwald
Morgens fahre ich noch 20 km Polen und komme dann auf den Oder-Neisse Radweg. Es ist ein schöner Radweg, ganz ohne Verkehr dem Fluss entlang. Mal auf, mal hinter dem Damm, alles geteert.
90 % der Reiseradler fahren mir entgegen, die meisten wohl mit dem Ziel Usedom.

Am Nachmittag war es schon fast etwas heiss und ich habe mir schon 10 km vor dem Ziel ein Bier genehmigt. Ich übernachte in einem kleinen Dorf, etwa 10 km von der Oder entfernt.
Übrigens bin ich nun schon mehr als 2200 km gefahren.

22.7. Frankfurt an der Oder
Jetzt funktioniert das Internet wieder!
Ich sitze auf dem Balkon meines Zimmers in der Pension Oderblick und kann direkt auf den Fluss schauen. Die Stadt ist nicht besonders attraktiv, Unkoordinierte Neubauten und hässliche Altbauten. Die Strecke (97 km) auf dem Oder-Neisse Radweg heute war recht schön.

23.7. Spreewald
Heute verlasse ich die Oder und mache ich mich auf den Weg Richtung Elbe. Ich bin jetzt also im Spreewald, den ich bisher nur aus den Spreewald-Krimis kannte. Es hat tatsächlich unzählige Kanäle und Nebenläufe der Spree und überall schöne Wälder, die mir immer wieder Schatten spenden. Die Pension in Vetschau ist angenehm und morgen Sonntag gibt es ab 7:30h Frühstück. Dann geht es weiter Richtung Elbe.
Meine Planung für morgen.

24.7. Meissen
Durch Wälder und Felder geht es Richtung Elbe. Bei Lichterfelde kommen grosse Bergbaumaschinen in mein Blickfeld und die Strasse ist beidseitig mit Zäunen und Warntafeln versehen.
Ich folge jetzt vor allem den Radwegweisern und stosse bei Nünchritz auf die Elbe.
Da ist es jetzt mit der Ruhe vorbei, ist doch der Elberadweg einer der meist befahrenen Flussradwege. Bis Meissen ist es nicht mehr weit. Dort treffe ich auf meine Frau und ihre kleine Radreisegruppe, die seit einigen Tagen auf dem Elberadweg unterwegs sind.

25.7. Dresden
Die Zeit in Dresden ist mit viel Sightseeing ausgefüllt und an einem Nachmittag machen wir noch einen kleinen Radausflug nach Königstein.

29.7. Erfurt
Während meine Frau und ihre Gruppe von Dresden mit dem Zug in die Schweiz fahren, möchte ich noch etwas mehr von Deutschland sehen. Nachdem ich gestern Abend südlich von Leipzig in einem schönen «Business»-Hotel untergekommen bin, geht es weiter Richtung Osten.
Auch heute hat wieder ein kräftiger Gegenwind mein Fortkommen behindert, so dass ich die letzten geplanten 22 km bis Gotha auf morgen verschieben muss. Im Zentrum von Erfurt habe ich in einem Hotel eingecheckt und danach eine Stadtbesichtigung (mit Pizza und Bier) unter die Füsse genommen.
Die Fahrt quer durch Sachsen und jetzt durch Thüringen ist sehr abwechslungsreich. Ich bin dem Saaleradweg etwa 30km gefolgt, was sehr angenehm war. Habe heute noch ein Zimmer am Werra-Radweg in Heringen im Thüringerhof gebucht. Das ergibt etwa 100 km zu fahren. Im booking.com sind wegen des Wochenendes fast alle Hotels der Gegend ausgebucht.
Auch meine weitere Planung habe ich nun abgeschlossen. Ich werde noch 2 Tage mit dem Velo fahren und dann von Fulda aus mit dem Zug heimreisen.
Ich muss dann nur 2x umsteigen, wenn alles klappt. In Fulda werde ich je nach Möglichkeit der Zugsverbindungen zum letzten Mal übernachten und dann am 1. August Zug fahren. (sofern das Velo überall Platz hat)

30.7. Heringen
Heute war ich in Eisenach, dessen Zentrum sehr herausgeputzt ist.
Auf der Warburg war ich früher schon einmal und darum bin ich dann gleich weiter bis nach Heringen gefahren. Ganz in der Nähe hat es riesige unnatürliche Berge mit Rückständen vom Kali-Abbau, welche sich mehr als 200 m von der Umgebung abheben.

Solche Eingriffe in die Natur können wir uns in der Schweiz kaum vorstellen.
Morgen geniesse ich noch den letzten Velotag. Dann bin ich mehr als 3000 km geradelt, das reicht!

31.7. Fulda
In Philippsthal verlasse ich das Tal der Werra und fahre entlang der Grenze zwischen Thüringen und Hessen die letzte kurze Tagesetappe auf Radwegen, Nebenstrassen und einer stillgelegten Bahnstrecke mit dem längsten Rad-Tunnel, dem Milseburgtunnel in Deutschland durch die Rhön.
Nach dem Tunnel geht es bis Fulda nur noch bergab. Die Abklärung im Bahnhof ergibt, dass ich in anderthalb Stunden eine Zugsverbindung (inklusive Velo) mit zwei- oder dreimaligem Umsteigen bis nach Zürich habe, so dass ich noch gleichentags wieder einmal in meinem eigenen Bett schlafen konnte.

Fazit
Das E-Bike als Reiserad hat sich bestens bewährt. Durch den Verzicht auf Camping- und Kochutensilien konnte ich mein Gepäck auf zwei grosse Ortlieb- sowie eine Lenkradtasche beschränken.
Der Zusatzakku hat zwar das Gewicht meines Gepäcks erhöht, mich gleichzeitig aber auch entspannt reisen lassen.
Das Buchen der Zimmer im voraus, wäre vielleicht nicht immer nötig gewesen. Da ich aber auch Fährüberfahrten im voraus buchte, war dies einfach konsequent, damit ich meinen Zeitplan einhalten konnte.

Bildersammlung der Reise:

Teil 1: Runde um das baltische Meer

Teil 2: Brandenburg, Thüringen, Sachsen

 

Chile/Bolivien/Peru 2013

1.8.2013
Meine 25-stündige Reise in den Norden von Chile ist problemlos verlaufen und auch mein Gepäck inklusive Velo ist unversehrt angekommen. So langsam lebe ich mich hier in San Pedro de Atacama auf 2450 m Höhe ein, mache Ausflüge und Trainingsfahrten, bevor es dann kommende Woche losgehen soll. Auch wenn die Sonne den ganzen Tag scheint, ist es hier noch Winter und nachts wird es empfindlich kalt. Schneestürme haben in den Anden auf meiner geplanten Strecke ihre Spuren hinterlassen und es sieht so aus, als dass ich den ersten Teil meiner Reise motorisiert unter die Räder nehmen muss. Das Gute daran wäre allerdings, dass ich mich nicht auf 4950 m  hinauf quälen müsste.


Im Mondtal in der Atacamawüste

Bilder von San Pedro de Atacama und Umgebung

Meine grobe Planung sieht nun folgende Strecke vor: San Pedro de Atacama (CHI) – Uyuni (BOL) – Colchane (CHI) – Arica (CHI) – Arequipa (PER)

5.8.2013
Heute Montag geht es weiter nach Bolivien. Wegen des starken Schneefalls vor gut 2 Wochen muss ich den ersten Teil meiner geplanten Tour, die Lagunenroute, per Bus bis zur Grenzstation und dann in 3 Tagen mit einem Jeep nach Uyuni befahren. Die kleine Reisegruppe besteht aus einem italienischen Paar, einer mexikanischen Studentin, einer junge Schweizerin, dem Chauffeur Silvio, welcher nur Spanisch spricht und mir. Die Strecke ist sehr eindrucksvoll, nur die Stopps sind manchmal etwas kurz. Die Strassenverhältnisse sind über 4500 m Höhe sehr schlecht und ich bin immer wieder froh, dass mein Velo auf dem Dach mitfahren darf.


Auf der Lagunenroute in Bolivien

9.8.2013
Seit einigen Tagen bin ich nun in Uyuni. Morgen Abend kommt mein deutscher Radlerfreund Wolfgang das letzte Stück von der argentinischen Grenze bis Uyuni mit dem Zug, nachdem er nach einer Fleischvergiftung nun wieder einigermassen fit ist. Seine Kollegin Veronika ist von Potosi kommend auch schon eingetroffen und Brit, eine weitere Radreisende aus Norddeutschland kämpft gegen eine lästige Bronchitis. Ich bin soweit gesund und gewöhne mich an die ungewohnte Höhe von 3600 m. In Uyuni besuche ich auch den farbenprächtigen Markt.


Vor dem Start in Uyuni

Bilder Lagunenroute und Uyuni

16.8.2013
Ab Uyuni fahre ich zusammen mit Veronika und Wolfgang zuerst mehr als 100 km über den Salzsee ‚Salar de Uyuni‘. Immer wieder meine ich auf Eis zu fahren und auszurutschen. Die 2. Nacht auf dem Salar zelten wir bei der Insel Incahuasi. Am Morgen vor Sonnenaufgang messe ich -13 Grad im Zelt. Die beiden nächsten Unterkünfte finden wir in Dörfern auf dem Altiplano.


Pause auf dem Salar de Uyuni, dem grössten Salzsee auf der Erde

Für uns ist Bolivien extrem billig. Ein Nachtessen mit Suppe und Hauptgang mit Reis, Kartoffeln und etwas Fleisch kostet so um die zwei Franken. Es gibt meistens das Gleiche. Auswählen kann man nicht.


Abendsonne in einem Dorf in Bolivien

23.8.2013
Weiter geht die Fahrt über den Altiplano, eine gewaltige Hochebene, wo die Leute von etwas Landwirtschaft und von Viehzucht leben.


Halbwilde Lamas auf dem Altiplano

Der bolivianische Präsident, Evo Morales, der aus dieser Gegend stammt unterstützt die Gemeinden mit neuen Schulen und Strassen. Die Naturstrassen sind sehr unterschiedlich befahrbar. Einmal mussten wir unsere beladenen Velos auf einer „Abkürzung“ 2 km durch den Sand schieben und anschliessend barfuss einen kleinen Fluss passieren.

Bilder vom Salar de Uyuni und Altiplano

Die Höhe von 3700 bis 4000 m habe ich gut ertragen. Heute sind wir über die Grenze nach Chile und übernachten in Colchane. Morgen geht es weiter Richtung Norden durch die chilenischen Nationalparks. In einer Woche sollten wir Putre erreichen, wo ich hoffentlich wieder Zugang zu einem Computer habe.


Altiplano bei Chipaya

25.8.2013
Das Wetter spielte aber nicht mit. Extremer Gegenwind, schlechtes Wetter, Kälte und Schneewolken haben uns bewogen, nach anderthalb Tagen nach Colchane zurückzukehren. Der Wind erreicht nachmittags 40-50 km/h und dies von vorne. Auch die Einheimischen meinten, dass es hier auf 4000 m nochmals schneien könnte. So habe ich mich heute in einen Bus gesetzt und bin nach Iquique am Pazifik gefahren. Hier ist es so um die 15 Grad und ich werde morgen einen „Fototag“ einschalten.

Bilder Pazifikküste Nordchile


Pelikane an der Pazifikküste in Iquique

5.9.2013
In Iquique an der Pazifik-Küste habe ich mir für einige Tage ein Auto gemietet um nochmals in die Höhe zu den chilenischen Nationalparks zu fahren.

Bilder von Nordchiles Nationalparks

Morgen geht es weiter nach Peru, wo ich nächste Woche von Arequipa aus, zu einer kleinen Rundreise (mit Bus) starten werde, bevor es dann wieder zurück in die Schweiz geht.


Guanacos im Lauca Nationalpark (Chile)

7.9.2013
Gestern hatte ich meinen letzten grösseren Velotag. Ich war um 15 Uhr in Tacna, einer Wüstenstadt und wollte den Bus-Terminal rekognoszieren. Da wurde ich gefragt, ob ich nach Arequipa wolle. Da mein Velo kein Problem war, bin für 12 Fr. Im halbleeren Luxusbus die 6 Stunden gleich losgefahren. Jetzt bin ich für 3 Tage in meinem reservierten Zimmer mitten im Zentrum. Ein Schweizer Bekannter, der hier mit seiner Frau eine Sprachschule führt, hat mich heute Abend zu einem ‚Schweizer‘ Z’nacht eingeladen.


Arequipa – in Peru wird oft gefeiert

12.9.2013
Heute Morgen war ich auf einem Bootsausflug auf dem Titicacasee. Er führte zu den Uros, einem kleinen Volk, das auf schwimmenden Inseln aus Stroh lebt.


Stroh-Inseln auf dem Titicacasee

Gestern war ich an einer Kondor-Beobachtung. Trotz der vielen Touristen haben sich tatsächlich einige der Vögel gezeigt. Morgen geht es weiter nach Cusco.

Bilder von Arequipa zum Titicacasee und weiter Richtung Cusco

 

15.9.2013
Cusco ist wirklich sehr schön. Das Zentrum gleicht spanischen Städten. Nach der Unterwerfung der Inkas haben die Spanier fleißig gebaut. Der Verkehr in allen bisherigen peruanischen Städten ist schlicht eine Katastrophe. Es gilt das Gesetz des Stärkeren. Chile war im Vergleich dazu richtig zivilisiert. Heute war ich in einem Inka-Museum und morgen mache ich einen Ausflug ins Heilige Tal und werde wohl einige Ruinen besichtigen.


Machu Picchu

19.9.2013
Heute besuchte ich  das eindrücklichen Bauwerk Machu Picchu zuoberst auf einem Berg. Zeitweise regnete es und die Nebelschwaden schafften eine mystische Stimmung. Die Gegend hier zählt schon zum Regenwald und der Dschungel beginnt einige Bergketten weiter.

Bilder von Cusco bis Machu Picchu

Jetzt geht es zurück nach Cusco und Arequipa.

28.9.2013
Nun bin ich also wieder in der Schweiz und dankbar, dass ich die ganze Reise ohne grössere Probleme absolvieren konnte. Es hatte sich gelohnt, für die verbleibenden zwei Wochen in Peru vom Velo auf den Bus umzusteigen, da ich nur auf diese Weise noch einige von Perus Sehenswürdigkeiten erreichen konnte. Der Kontrast zwischen dem beschaulichen Bolivien und den Touristenzentren wie Cusco und Machu Picchu war schon sehr ausgeprägt.